POLITIK
—————–

Veranstaltungen, Stellungnahmen, Pressemitteilungen und News

Online Veranstaltungsreihe: Eine Stunde – Ein Thema

Wir hosten monatliche Vorträge zu den gesellschaftlich und politisch am heißesten diskutierten Themen rund um Sexarbeit. Sexarbeiter*innen und Expert*innen aus relevanten Bereichen erklären, klären auf und diskutieren. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen!

ANMELDUNG über Mail an: emma@besd-ev.de

Mehr lesen zu:
– Schwedisches Modell/Freierbestrafung/Sexkaufverbot
– Positionen und Forderungen des BesD
– Wissenschaftliche Studien zu Sexarbeit

2023

2022

2021

2020

Früher

Hygiene-Konzept für Sexarbeit – BesD fordert Gleichbehandlung bei Corona-Lockerungen

Der BesD hat gemeinsam mit verschiedenen Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept für erotische Dienstleistungen im Rahmen der Corona-Krise entwickelt.


Viele Branchen sind vom Lockdown schwer betroffen – doch gerade in der Sexarbeit lebt ein hoher Anteil von der Hand in den Mund und hat wenig bis keine Rücklagen. Besonders im Bereich Straßen-Sexarbeit sind viele Beschäftigte zusätzlich nicht krankenversichert und bereits von Armut betroffen.

Wir fordern die Gleichbehandlung von Sexarbeit mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen. Im Sinne der Übertragung und Bekämpfung des Corona-Virus besteht kein Unterschied zwischen einer nichtmedizinischen Massage und einer erotischen Massage. Im zweiten Schritt plädieren wir für eine geordnete Öffnung aller Bereiche der Sexarbeit unter Anwendung entsprechender Hygiene-Konzepte für den Schutz von Dienstleister*innen und Kund*innen sowie die Vorbeugung von Neu-Ansteckungen.

Mit unserem Anliegen haben wir uns an die Bundesländer und die zuständigen Behörden gewendet: —> Unsere Pressemitteilung zum Download 

Sexarbeiter*innen hoffen auf Lockerung des Arbeitsverbots

„Auch unsere Branche möchte Licht am Ende des Tunnels sehen. Seit der Einführung des Prostitutionsgesetzes gehört es zu den erklärten Zielen der Regierung, auf die Entstigmatisierung von Sexarbeiter*innen hinzuwirken – hier besteht die Chance, für Gleichberechtigung zu sorgen.“ (Zitat Johanna Weber, politische Sprecherin BesD)

Das Hygiene-Konzept des BesD umfasst Regelungen für Arbeiten in Terminwohnungen/eigener Wohnung/Wohnwagen, Haus- und Hotelbesuche (Escort) sowie Hygiene-Regeln für die Arbeit auf Straßenstrichen.


–> HIER LESEN: Hygiene-Konzept für Sexarbeit während Corona


Vorbeugende Maßnahmen gehören zu unserem Arbeitsalltag – schon vor der Krise

Konkrete Konzeptvorschläge für alle Arten von Prostitutionsstätten sind Aufgabe der zuständigen Betreiberverbänden und -zusammenschlüsse. Diese sind aufgrund des
Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) und ganz unabhängig von Corona bereits zu passgenauen Hygiene-Konzepten und der Hinwirkung auf die Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten jeder Art verpflichtet.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, die nun erst einen verstärkten Umgang mit Hygiene erlernen müssen, gehören vorbeugende Maßnahmen gegen Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu unserem Arbeitsalltag. Sexarbeitende sind gewohnt und in der Lage, mit dem Thema Infektionsschutz verantwortungsvoll umzugehen.“ (Zitat Undine de Rivière, BesD-Mitglied)

Hilfe durch Gleichbehandlung bei Corona-Lockerungen

Der Fakt bleibt: Ein Großteil der Sexarbeiter*innen kann kein Geld verdienen, solange unsere Arbeitsplätze geschlossen sind. Der Berufsverband hat für jene Sexarbeitende, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, den –> Nothilfe Fonds ins Leben gerufen und bis dato bereits über 200 notleidenden Sexarbeitenden geholfen. Doch die Mittel unseres Verbands sind bald erschöpft. Hier sollte der Staat einspringen. Noch besser wäre es wenn wir uns selber helfen können, indem wir wieder unserer Arbeit nachgehen können.


Hygienekonzepte für Prostitutionsstätten:

UEGD
-> Hygienekonzept mit Stufenplan -> https://uegd.de/uegd-fordert-wiedereroeffnung-der-branche/

BSD
-> Hygienekonzept mit schrittweiser Öffnung -> https://bsd-ev.info/corona-hygienekonzept/

Zusammenschluss der Laufhäuser Stuttgart
-> Laufhäuser Stuttgart – Anschreiben Ministerpraes. Lucha wegen Hygienekonzept

Ehrenamtsstelle mit Aufwandsentschädigung: BesD sucht jemanden für IT-Support und Administration

Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen ist ein Verein von Sexworkern für Sexworker. Wir wollen ein realistisches Bild der Sexarbeit in Deutschland vermitteln und der gesellschaftlichen und rechtlichen Diskrimierung von Menschen in der Sexarbeit entgegenwirken. Nach langer und guter Zusammenarbeit mit unserer bisherigen IT-Expertin, suchen wir ab sofort eine neue Person für dieses wichtige Amt.

Dein Profil:

– Du bist derzeit oder warst schon einmal als Sexarbeiter*in tätig
– Du bist bereits Mitglied beim BesD oder kannst Dich mit den Zielen des Vereins identifizieren
– Erfahrung im IT-Bereich
– Du kannst eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten
– Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
– Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift von Vorteil

Deine Aufgaben:

– Ansprechpartner*in für IT-Fragen der Mitglieder und Mitarbeiter*innen
– Betreuung und Wartung unserer Websites (WordPress)
– Betreuung und Verwaltung des Mitgliederforums (MyBB)
– Betreuung und Anlegen von Email-Accounts

Wenn möglich:

– Organisation von regelmäßigen Teamtreffen zur Aktualisierung von Websites
– Bei Bedarf: Umstrukturierung von Forum und Websites

Arbeitszeit:

– nach Bedarf
– völlig freie Zeiteinteilung

Der regelmäßige Zeitaufwand beträgt je nach Aktivität der Mitglieder ca. 4-6 Stunden/Monat für Wartung und Betreuung (Back-Ups, Updates, Fragen beantworten, Forum, etc.). Falls möglich, soll es regelmäßige Webwochenenden geben. Dabei kannst du zusätzlich mit circa 4 Stunden Vorbereitung rechnen. Für Webseitenbau bzw. Umstellungen können mehrmals pro Jahr einige Stunden anfallen.

Die Arbeit kann per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden. Teamtreffen können vorzugsweise in Berlin oder Hamburg, aber natürlich auch per Videokonferenz o.ä. stattfinden.

Bezahlung:

Der BesD wird vorwiegend von ehrenamtlich Tätigen am Laufen gehalten, unser Gesamt-Budget hängt daher stark von Förderungen ab. Die  monatliche Aufwandsentschädigung für den beschriebenen IT-Support liegt derzeit bei 100 €.

Formlose Bewerbungen bitte bis 31.08.2019 an Johanna Weber unter johanna@besd-ev.de. Du erreichst uns bei Fragen auch telefonisch unter 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

EINE STUNDE – EIN THEMA | 14.02.23: DAS NORDISCHE MODELL UND SEINE FOLGEN FÜR SEXWORKER

Unsere monatliche Online-Veranstaltungsreihe zu den gesellschaftlich und politisch am heißesten diskutierten Themen rund um Sexarbeit. Sexarbeiter*innen und Expert*innen aus relevanten Bereichen erklären, klären auf und diskutieren.

Datum: Dienstag, 14.02.2023

Uhrzeit: 17:00 bis 18:00 Uhr – der Zoom-Link wird nach der Anmeldung versendet.

Anmeldung: emma@besd-ev.de (Emma Sophie Roe | Mitarbeiterin für die politische Arbeit im BesD)

Teilnahme: Offen für alle Interessierten!

Zielgruppe: Mitarbeitende aus Verwaltung, Politik, Gesundheitswesen und sonstige Interessierte

Preis: Kostenlos

Veranstalter:
Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e. V.) ist die größte Sexarbeitenden-Organisation Europas und hat als Ziel die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Beseitigung von Missständen und Entstigmatisierung.


INHALT

Als Lösung für Probleme in der Sexarbeit/Prostitution wird immer wieder über das „nordische Modell“ oder Sexkaufverbot diskutiert. Selten faktenbasiert, und selten kommen Sexarbeiter*innen selber zu Wort. Viel wird über sie aber nicht mit ihnen geredet. In den Medien kursiert unzureichendes  Zahlenmaterial, welches zu vorschnellen Schlüssen führen kann. Ebenso ist es mit Forschungsergebnissen. Diese sind oft veraltet oder aus dem Kontext gerissen.

REFERENT*INNEN

 

Johanna Weber
Politische Sprecherin des BesD e.V.

Als Sexarbeiterin hat Johanna Weber in fast zwei Jahrzehnten Erfahrungen in verschiedensten Sparten von Wohnungsbordell über Escort bis zum Dominastudio gesammelt. Sie spricht heute über:

– Veränderungen im Arbeitsalltag von Sexarbeitenden unter dem Sexkaufverbot (nordisches Modell)
– Was wird NEBEN der Freierbestrafung beim Sexkaufverbot noch verboten oder unmöglich gemacht
– Die Folgen eines Sexkaufverbots für Sexarbeitende in Zwangs- und Ausbeutungssituationen
– sinnvolle „Ausstiegsprojekte“ (in der Fachwelt: Umstiegsbegleitung für Sexarbeitende)

 

 

Sonja Dolinsek
Historikerin, Gründerin der Website
menschenhandel heute

Als promovierte Expertin zum Thema Sexarbeit und Prostitutionspolitik hat Sonja Dolinsek einen ausgezeichneteten Überblick über aktuelle wissenschaftliche und politische Bezüge zu Sexarbeit und Menschenhandel. Sie spricht heute über:

– Die vorhandenen Studien und Forschungen aus Ländern mit Sexkaufverbot oder ähnlichen Modellen
– Die Ergebnisse des Sexkaufverbots in Irland und Frankreich
– Den Menschenhandel in Schweden
– Die Beeinflussung eines Sexkaufverbots auf die die Situation von Opfern aus Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung


Nachfragen/Kontakt

Emma Sophie Roe (Mitarbeiterin für die politische Arbeit im BesD)  ‭
Mail: emma@besd-ev.de
‭Telefon: +49 151 70648865

Johanna Weber (politische Sprecherin des BesD)
Mail: johanna@besd-ev.de
Telefon:  +49 151 17519771

Erst Belgien und Neuseeland, als nächstes Deutschland? Entkriminalisierung und Legalisierung – was der Unterschied ist

Kommentar der Politischen Mitarbeiter*in Emma Sophie Roe 

Belgien entkriminalisiert, als erstes Land in Europa, Sexarbeit!

Diese Schlagzeile kursierte unlängst in den Medien. Doch was bedeutet das; Sexarbeit entkriminalisieren? Bzw. was bedeutet das konkret im Kontext der Gesetzesänderung in Belgien? Und wo liegt da der Unterschied zu dem uns aus Deutschland bekannten Modell der Legalität im Bezug auf Sexarbeit?

Die Gesetzesänderung in Belgien wurde gemeinsam mit der Sexarbeiter*innen Organisation UTOPSI (1) entwickelt. Den Unterschied zwischen Legalität und Entkriminalisierung erklärte Belgiens Justizminister, Vincent Van Quickenborne, in seiner Rede (2) auf dem ESWA-Kongress 2022 (3) in diesen (übersetzten) Worten:

 „Die Legalisierung, so gut sie in verschiedenen Ländern auch gemeint sein mag, beginnt auf dem falschen Fuß: Sie sagt den Sexarbeiter*innen, dass sie außerhalb der Legalität stünden. Aber wenn sie sich an bestimmte Regeln halten, können sie den Schutz unseres Gesetzes genießen. Die Entkriminalisierung hingegen kehrt dieses Paradigma um. Sexarbeiter*innen genießen immer den vollen Schutz des Gesetzes, es sind immer nur Missbrauch und Ausbeutung von Sexarbeiter*innen, die außerhalb des Gesetzes stehen.“

Der Unterschied ist also, dass man in Belgien der Sexarbeit legal nachgehen kann ohne vorherige Bedingungen zu erfüllen.

Solche an den Status der Legalität geknüpften Bedingungen führen immer dazu, dass ein Teil der Sexarbeitenden diese nicht leisten kann. Und so in die Illegalität getrieben wird. Dies ist in Deutschland der Fall. Sexarbeitende müssen sich als Prostituierte anmelden und bekommen einen sog. Hurenausweis. Diese Anmeldung ist für viele nicht realisierbar. Denn sie fürchten ein Komplettouting durch die Behörden, oder können sich die dabei entstehenden Gebühren nicht leisten. Ebenso erschweren Sperrbezirke die Sexarbeit in fast allen Regionen und Städten. Oft ist es kaum möglich zu erfahren, welche Sperrbezirksverornungen in welchen Gegenden gültig sind.

Auch in Belgien gab es vor der Gesetzesänderung am 01.06.2022, eine Menge unübersichtlicher Regelungen, die Sexarbeit in einer gesetzlichen Grauzone hielten. Sexarbeit selbst, und das in Anspruch nehmen der Dienstleistung war legal. Dritte, die von der Sexarbeit profitierten, und Sexarbeitende, die sich organisieren und zusammenschlossen zum gemeinsamen Arbeiten, machten sich jedoch strafbar. Ziel dieser Gesetze war es, Ausbeutung zu verhindern. Tatsächlich hatte dies aber zusätzliche Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung und gefährlichere Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende zur Folge. Dies begünstigt Gewalt und Ausbeutung, aber verhindert sie nicht. Das Zusammenarbeiten von Sexarbeitenden ist oft nicht nur praktikabler, sondern auch sicherer, indem z.B. Arbeitsräume gemeinsam angemietet und genutzten und dabei aufeinander geachtet oder zum Schutz in Grüppchen auf der Straße angeworben wird. Das gemeinsame Anmietung und Nutzung von Arbeitsräumen war jedoch verboten. Auch in legalen und sichereren Prostitutionsstätten kann nicht gearbeitet werden, wenn diese, wegen des Profitierens Dritter, verboten sind. Beides gefährdet und stigmatisiert Sexarbeiter*innen. Die Stigmatisierung wird gefördert, weil das Narrativ der illegal bzw. kriminell handelnden und damit grundsätzlich zu misstrauenden Sexarbeitenden am Rande der Gesellschaft gefüttert wird.

Um mehr Rechte und damit tatsächlichen Schutz vor Gewalt und Ausbeutung für Sexarbeitende zu schaffen, hat Belgien, sich dafür entschieden die Gesetzesänderung in Zusammenarbeit mit Sexarbeiter*innen anzugehen. Ähnlich wie Neuseeland (4), das 2003 als erstes Land weltweit Sexarbeit entkriminalisierte und dabei ebenfalls mit Sexarbeitenden zusammenarbeitete.

Auslöser für die Überarbeitung der Gesetze war der durch die Corona-Krise deutlich sichtbar gewordene Zusammenhang, zwischen Verboten rund um Sexarbeit und der abnehmenden Sicherheit der Sexarbeitenden. Durch die fehlende Anerkennung der Sexarbeit als Arbeit und aus Angst vor Diskriminierung konnten viele Sexarbeitende auch im Lockdown keine finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen. So mussten viele weiterarbeiten, trotz erhöhtem Risiko sich mit Corona anzustecken und gegen Gesetzte zu verstoßen. In diesem Zeitraum begangene Gewalttaten und Übergriffe gegenüber Sexarbeitenden wurden, aus Angst der Sexarbeitenden sich selbst zu belasten, teils nicht medizinisch behandelt und/oder polizeilich angezeigt.

Der aus diesen Erkenntnissen entstandene Gesetzesentwurf zur Reform des belgischen Sexualstrafrechts fordert im Bezug auf Sexarbeit:

  • Die Anerkennung und der Schutz von Sexarbeiter*innen
  • Die Fähigkeit rechtsgültige Verträge abzuschließen (z.B. zwischen Prostitutionsstätten und Sexarbeitenden)
  • Das Aufheben der Strafbarkeit von mit Sexarbeiter*innen getroffenen Vereinbarungen
  • Ermöglichung von Kreditaufnahme und Eröffnen von Bankkonten für Sexarbeiter*innen
  • Legale Zusammenarbeit von Sexarbeitenden mit Dritten
  • Erleichterte Maßnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung
  • Die (Selbst-)Organisation in der Sexarbeit zu ermöglichen

 

Weiterhin illegal bleibt:

  • Zuhälterei
  • Förderung und Anstiftung zu Prostitution
  • Ausnutzung eines sog. „anormalen Vorteils“

Durch die Entkriminalisierung und damit einhergehende gesetzliche Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit, wird Sexarbeit also aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und stattdessen ein arbeitsrechtlicher Rahmen für Sexarbeit geschaffen werden.

Noch ungeklärt sind die genauen Regulierungen zur Straßensexarbeit. Laut Brüssels Bürgermeister Phillip Close unterliegt dies den jeweiligen Gemeinden, mit den Ziel Straßensexarbeit in Wohngebieten regulieren zu können. Der Unterschied, zu dem uns aus Deutschland bekannten Sperrbezirken, scheint hier vor allem zu sein, dass es in Belgien nur um die sichtbare Sexarbeit geht, während in vielen Sperrbezirken Deutschlands Prostitution in jedweder Form verboten ist. Wie die Lage hierzu langfristig in Belgien gehandhabt wird, ist aktuell noch nicht ersichtlich. Es scheint aber zunächst nur Straßensexarbeit zu betreffen, mit der Absicht öffentliche Ordnung zu sichern. Anzumerken ist, dass auch das Verbot von Straßensexarbeit keine sinnvolle Lösung ist. Den Sexarbeitenden wird der Arbeitsplatz genommen und in der Regel keine Alternativen angeboten. Besser wäre es, wenn gemeinsam mit den dortigen Sexarbeiter*innen, Anwohner*innen, Beratungsstellen, Politik und weiteren Beteiligten eine praktikable Lösung vor Ort erarbeitet wird, wie die Arbeit auf dem Straßenstrich für alle Beteiligten möglich gemacht werden kann.

Der große Unterschied im Vergleich zu Deutschland ist, dass hier genau die Sexarbeitenden, die Rechte und Schutz brauchen oft nicht legal arbeiten können, weil sie die Gesetze nicht erfüllen können. Und dies teils trotz legalem Aufenthaltsstatus.

Dies ist ein gutes Beispiel für den zu Beginn mit Van Quickenborne’s Worten beschriebenen Unterschied zwischen Legalität und Entkriminalisierung. In Deutschland herrscht Legalität nicht Entkriminalisierung, was bedeutet, dass Sexarbeitende für viele schwer umzusetzenden Regeln folgen müssen, um legal zu arbeiten zu können. Da diese Regeln von vielen Sexarbeitenden nicht befolgt werden können, aus Angst vor Outing, Diskriminierung oder wegen fehlendem Aufenthaltsstatus, führen diese Sondergesetze zur Kriminalisierung großer Teile der Sexarbeitenden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass nur ein Teil der Sexarbeit in Deutschland tatsächlich komplett legal tätig ist. Dadurch sind Sexarbeiter*innen als Ganzes in Deutschland leichter von sozialer Teilhabe ausgeschlossen und von Gewalt betroffen. Sie sind leichter kriminalisiert, stigmatisiert und mit Straftaten assoziiert, als in Belgien seit der Gesetzesänderung.

 


Fußnoten

1 = https://utsopi.be/

2= https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2022/11/05/belgien-will-sich-europaweit-fuer-die-entkriminalisierung-von-sexarbeit-einsetzen/

3 = https://www.eswalliance.org/

4 = https://www.nzpc.org.nz/The-New-Zealand-Model

26. Januar: Datenschutz – Das solltest Du über Deine Rechte als Sexarbeiter*in wissen

Datum: 26.01.2023 | Donnerstag
Uhrzeit: 17:30 – 18:30 Uhr

Für alle BesD-Workshops gilt „Sexworker only“. Das heißt, eine Teilnahme ist nur für aktive oder ehemalige Sexarbeiter:innen möglich. (Achtung, Besonderheit bei diesem Workshop: Vortragender ist selbst kein Sexworker – mehr liest Du unten)

Kosten: Die Teilnahme ist für BesD-Mitglieder kostenlos, Nicht-Mitglieder bitten wir um eine Spende von 20 € an den BesD e.V. Eine –> Mitgliedschaft ist auch kostenlos möglich.

Anmeldung: An Sophie via Mail: sophie@besd-ev.de oder per Telegram @SophieFrey

Bitte benütze die Mailadresse, mit der Du beim BesD Mitglied bist (oder gib Deine Mitgliedsnummer an) und schreib uns, welchen Namen Du bei „Zoom“ verwenden willst. Falls Du nicht BesD-Mitglied bist, sende Sophie bitte einen Screenshot Deiner Spendenbescheinigung. 


Inhalt:

Dieser Workshop vermittelt Dir speziell auf die Tätigkeit in der Sexarbeit angepasste Lösungen, Tipps und Sensibilisierung zum Thema Datenschutz. Auch für Fragen wird es genug Zeit geben!

Denn: Ein Grundwissen zum Umgang mit Daten und zu Datenschutz ist speziell für selbstständig tätige Sexarbeitende immens wichtig. Im letzten Datenschutz-Workshop haben wir uns auf unsere Pflichten im Umgang mit den Daten von Kund*innen konzentriert, im aktuellen geht es um den Schutz der eigenen Daten.

Wir werden auf die eigenen grundlegende Rechte eingehen aber auch die Grauzonen beleuchten, die sich durch unsere Tätigkeit als Sexworker ergeben – zwischen den eigenen, besonders schützenswerten personenbezogenen Daten und rechtlichen Verpflichtungen.

Letztere entstehen z.B. aus dem sogenannten „Prostitutiertenschutzgesetz“ oder auch dem Personalausweisgesetz. Behörden, Vermieter und Betreiber von Onlineplattformen haben zwar Pflichten, die stehen aber nicht immer über den persönlichen Rechten von Sexarbeitenden im Datenschutz.

Leitung:

Der Leiter dieses Workshops ist ausnahmsweise nicht selbst als Sexworker tätig, hat aber viel berufliche Erfahrung mit Datenschutz, auch im Bereich Sexarbeit.

Olaf König ist dem BesD schon seit Gründungszeiten als Unterstützer und interner Datenschutzbeauftragter freundschaftlich verbunden. Er bereitet dieses schwierige Thema gezielt für die Bedürfnisse von Sexarbeitenden auf.