Hinweise für Forscher*innen

Wir freuen uns über offene, neugierige Menschen, die über unseren Arbeitsbereich forschen. In den letzten 30 Jahren wurde immer mehr über die Sexarbeit geforscht und dabei häufig auch Sexarbeitende in die Forschung miteinbezogen. Wir hören immer wieder gerne von neuen Projekten und Studien, die einen aufgeschlossenen und toleranten Blick auf unsere Arbeitswelt werfen. Deshalb haben wir auf unserer Seite einen Bereich für Forschungsinteressierte eingerichtet, wo ein Einblick in die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema Sexarbeit gewonnen werden kann.

Wir begrüßen den partizipativen Forschungsansatz, bei dem Sexarbeitende nicht nur beobachtet und befragt werden, sondern auch nach ihrem Feedback zur Forschungsgestaltung bzw. Fragestellungen gefragt werden oder wenn Forschende im Rahmen der Forschung auch an Aktivitäten im Zusammenhang mit der Sexarbeit oder der Sexarbeitsbewegung teilnehmen.

Forschungsvorhaben können gerne an unsere Ansprechpartnerin für Forschung geschickt werden: forschung@besd-ev.de Falls ihr über eine Emailadresse von eurer Universität oder einer anderen Forschungseinrichtung verfügt, benutzt bitte diese wenn ihr sie anschreibt.

Zu partizipativer Forschung

Unsere Teilnahme an partizipativen Projekten hängt stark vom vorgesehenen Zeit- und Leistungsaufwand des Projektes ab! Bei Projekten,  für die eine langfristige Teilnahme (in der Sexarbeitende auch zur Durchführung der Datensammlung bzw. -auswertung vorgesehen werden) erwünscht wird, bitten wir um ein ausführliches Exposé mindestens 2 Monate vor dem gewünschten Start des Projektes, damit genug Mitglieder von uns angefragt und engagiert werden können. Generell verlangen wir ein Exposé zum Projekt, in dem der Umfang unserer Teilnahme vorgestellt wird, damit wir unsere Zeit und Kapazität am besten einschätzen können.

Themen, die für uns wichtig und interessant sind

  • Gesellschaftliches Stigma
  • Kund*innen
  • Professionalisierung in der Sexarbeit
  • Sexuelle Gesundheit
  • Erotik in der Gesellschaft
  • Sexarbeit im Vergleich zu anderer Arbeit
  • Kriminalisierung – insbesondere das Schwedische Modell

Forschungsleitfaden

Wir halten uns an die Hinweise für Forscher*innen, Studierende, Journalist*innen und Künstler*innen, die selbst nicht in der Sexarbeit tätig sind von Hydra und empfehlen allen Forschenden ausdrücklich diese vor Beginn der Forschung durchzulesen. Ein paar Punkte möchten wir dazu noch betonen:

  • Aufwandsentschädigung für Projektteilnahme

Je nach Aufwand und Größe des Projektes bzw. Länge des Interviews finden wir eine Aufwandsentschädigung ab 20€ angemessen für unsere Zeit. Uns ist bewusst, dass Forschungsgelder, vor allem für junge Forschende, nicht immer verfügbar sind, aber für größere Projekte, wofür Forschungsgelder beantragt werden können, hoffen wir, dass unser Vorschlag bei der Beantragung von Fördermitteln miteinkalkuliert werden kann.

  • Anonymität/Outing-Gefahr

Für Sexarbeitende, die nicht geoutet sind bzw. nicht öffentlich über ihre Sexarbeit reden, ist es ein großer Schritt an einer Studie teilzunehmen. Daher weisen wir ausdrücklich auf die Outing-Gefahr auch durch die Forschung hin, wenn Erkennungsmerkmale in Interviewtranskriptionen oder in Feldnotizen nicht gründlich anonymisiert werden. Auch Arbeitsorte bzw. Städte sollten anonymisiert werden sowie die Nennung von speziellen Dienstleistungen, die auch in der Sexarbeit unüblich sind, da solche Details auch schnell zu einem unbeabsichtigten Outing führen können. Um sicher zu gehen, dass die Anonymität der Teilnehmer*innen bei der Veröffentlichung von der Forschung bewährt wird, bitten wir vor der Datenauswertung alle Transkriptionen den Forschungsteilnehmer*innen zur Überprüfung zuzuschicken.

  • Richtlinien für Forschungsethik

Oft gibt es Richtlinien für Forschungsethik, die von der Hochschule vorgegeben werden. Wir freuen uns, auch Einsicht in diese zu bekommen bevor wir an der Forschung teilnehmen.

  • Einverständniserklärung

Bevor das Interview stattfindet, hätten wir gerne eine mündliche oder schriftliche Einverständniserklärung über die Nutzung der Antworten, die Aufbewahrung der Daten und ggf. die Einwilligung zur Aufnahme des Gesprächs um sicher zu gehen, dass die Absichten der Forschung für alle Beteiligten klar sind.

  • Publikationen

Wenn wir in Publikationen für unsere Unterstützung bedankt bzw. genannt werden sollen, darf das gerne unter dem Verbandsnamen gemacht werden. Falls Individuen genannt werden sollen, empfehlen wir diese direkt zu fragen ob und unter welchem Namen sie genannt werden dürfen, um auch hier die Anonymität zu bewahren.

  • Vielfalt der Sexarbeit bedenken

Da einige von uns im Berufsverband offen über unsere Arbeit sprechen und in der Presse zu lesen sind, sind wir gerne bereit, unsere Ansichten und Erfahrungen im Rahmen an die Forschung beizutragen. Allerdings sind unsere Mitglieder nur ein Teil von vielen Sexarbeitenden, die in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Motivationen und unter verschiedenen Umständen arbeiten. Außerdem sind viele unserer Kolleg*innen nicht politisiert und haben daher oft einen anderen Bezug zu Sexarbeit als Mitglieder des BesD. Wir empfehlen deshalb Forschungsinteressierte auf der Suche nach Interviewpartner*innen sich nicht nur an uns zu wenden, sondern auch an anderen Orten (online sowie offline) anzufragen, wo Sexarbeitende arbeiten oder ihre Dienste bewerben. Eine möglichst hohe Vielfalt von Erfahrungen und Realitäten in unserer Branche bereichert nicht nur die Forschung selber, sie ist auch wichtig, um durch die Forschung ein realistischeres Bild von Sexarbeit herzustellen.

  • Transparenz

Bei der Vorstellung des Projektes ist es uns auch wichtig zu wissen, wofür die Ergebnisse benutzt und in welcher Form die veröffentlicht werden. Das kann gerne in der Einverständniserklärung (siehe oben) vereinbart werden. Besonders bei Fragebögen freuen wir uns auch über eine kurze Erläuterung, warum bestimmte Fragen gestellt werden, vor allem bei standardisierten Fragebögen. Da es in der Vergangenheit immer wieder Forschungen gab, die durch die Ergebnisse leider nur die Schattenseiten unserer Branche hervorgehoben haben, wollen wir vergewissern, dass wir nicht an einer Studie teilnehmen, die (negative) Stereotypen über unsere Arbeit verfestigt.

  • Rückmeldung mit Ergebnissen

Nach Beendigung der Forschung freuen wir uns natürlich über die Zusendung der Ergebnisse! Auch wir können aus der Forschung mehr über unsere Arbeit lernen und neue Blickwinkel gewinnen. Die Abschlussarbeit bzw. der Magazin- oder Fachartikel oder eine separate Zusammenfassung der Ergebnisse kann uns gerne geschickt werden.

Hilfreiche Links und Kontakte