Mann, Frau oder trans? Über Fremdbezeichnungen und mangelhafte Kundenbetreuung für transidente Sexarbeiter*innen auf Kaufmich

Als trans Frau habe ich es mit mehrfacher Stigmatisierung und Diskriminierung zu tun.

Es gibt einerseits natürlich die Transfeindlichkeit. Menschen lesen mich einfach als Mann und sprechen das offen aus. Menschen sprechen mir generell mein Frau-Sein ab. Es gibt Menschen, die zwar nichts gegen Sexarbeit haben, aber trans Menschen in der Sexarbeit ablehnen. Sie denken, dass ich für meine Dienstleistungen nicht bezahlt werden sollte, sondern vielmehr als „verkappter Freier“ selbst zahlen sollte.

Dazu kommen die Verurteilungen von allen, die Sexarbeit und Sexarbeitende doof/böse/gefährlich finden. Dass ich Sexarbeit mache, ist da, unabhängig von meinem Geschlecht und Gender nicht allzu gerne gesehen. Und dann ist da natürlich noch der alltägliche Sexismus, der auch mich trifft: Als Frau wird mir zum Beispiel manchmal nicht die gleiche Kompetenz zugetraut, wie einem Mann.

Obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, sei an dieser Stelle nochmal gesagt: Trans* Sexarbeitende verdienen gute Arbeits-Bedingungen, Respekt und Solidarität. Sowohl als Trans*-Beirätin des BesD e.V., als auch persönlich, weise ich hier deshalb nochmals auf die so wichtigen Forderungen hin, die das Berliner Netzwerk Trans*sexworks hier in diesem Artikel teilt (runterscrollen für deutsche Version).

Mit vielen der oben genannten Dinge kann ich – muss ich – umgehen. Zumeist verbessert sich in einem aufklärenden Gespräch die Wissenslage beim Gegenüber. Aber was zuletzt passiert ist, hat mich kalt erwischt.

Denn nicht im Traum habe ich mir vorstellen können, auf einem der größten und prominentesten Portale für Sexarbeiter*innen, das mit einem „K“ beginnt und mit „aufmich“ aufhört, transfeindlich diskriminiert zu werden. Doch genau das ist geschehen.

 

Doch zurück zum Anfang meiner Erfahrungen mit dem Portal.

Tatsächlich muss ich zugeben, dass meine ersten damaligen Versuche mich anzumelden, nicht von Erfolg gekrönt waren. Damals sah ich mich „nur“ als Crossdresser, hatte mich noch nicht ausreichend mit meinen Gefühlen auseinandergesetzt. Trotzdem klickte ich auf „trans“. Kurz darauf wurde ich als männlicher Sexarbeiter „identifiziert“ und zur Türe begleitet.

Ich solle lieber bei den schwulen Portalen mein Glück versuchen.

Und das, obwohl ich weder schwul bin, noch meine Hauptkundschaft als männlich gelesen werden kann. Warum auch immer Männer – und als solcher identifizierte ich mich damals noch „öffentlich“ – nicht auf dieser Plattform willkommen sind, habe ich dann nicht weiter hinterfragt und den Verweis eingesehen.

Heute ist die Lage anders. Ich bin kein Mann (mehr). Ich identifiziere mich  als Frau und lese mich selbst weiblich. Ich bin eine Frau. Ich bin transident. Folgerichtig habe ich mich nun als Frau – ja, nicht „trans“ – bei Kaufmich angemeldet.

Ich habe eine kostenpflichtige Mitgliedschaft angestrebt und einen eigenen Blogbeitrag in Kaufmich geschrieben, warum ich mich als Frau und eben nicht als „trans“ registriert habe.


Die Reaktion von Kaufmich auf meine Anmeldung als Frau entwickelte sich zu einem Akt in mehreren Teilen, der hier bei Twitter nochmal im Detail nachvollzogen werden kann. 

Die Rückmeldungen der User*innen zum meinem Blogbeitrag bei Kaufmich waren unterschiedlich. Einige Menschen meinten, dass die Kategorisierung in Frau als Anbieterin und Mann als Kunde mittlerweile sowieso überholt sei. Einige Menschen meinten, es gehe hier um das Geschäft und nicht um das Geschlecht.

Der Tenor war jedoch: Warum soll sich eine trans Frau, die sich als Frau fühlt, nicht auch als Frau eintragen können?

Sie müsse sich zwar selbst darüber im Klaren sein, dass sie sich eventuell nicht an der vordersten Front der Konkubinen wiederfinden würde, weil die Kunden eben gewohnt seien, nach „Frau“ oder „Trans“ zu suchen. Dadurch eventuell Geschäft zu verlieren, geschehe aber auf eigenes Risiko, und eine Plattform solle niemanden ein Geschlecht aufzwingen.

Kaufmich betonte übrigens immer wieder, dass sie nicht trans-feindlich seien.

Aber mich am Ende des Austausches als Mann zu lesen und mich dann einfach rauszuwerfen, statt zu mindestens in die Kategorie „trans“ zu verschieben, IST trans-feindlich. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Als Krönung kam gestern übrigens noch eine eMail: Die „Abbuchung meiner kostenpflichtigen Mitgliedschaft“ sei misslungen. Natürlich ist das so. Denn warum sollte ich für eine von Kaufmich gekündigte drei Tage Mitgliedschaft überhaupt (einen vollen Monat) Gebühren bezahlen?


Dieser Beitrag stammt von Sarah Blume, Mitglied im Berufsverband und Trans*-Beirätin des BesD e.V.. Auf Twitter (@DevotedTransFem) und auf ihrer Homepage könnt ihr mehr von ihr lesen.