Nicole Metzinger - freundliches Gesicht

Nachruf auf die Polizistin Nicole Metzinger

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Nicole Metzinger, Polizeihauptkommissarin a. D. und eine der wenigen Vertreterinnen staatlicher Institutionen, die den Kontakt zu Sexarbeiterinnen nicht nur als Aufgabe, sondern als menschliche Verantwortung verstanden haben.

Nicole Metzinger hat über viele Jahre hinweg entscheidend zur Situation von Frauen auf dem Straßenstrich in Köln beigetragen.

Sie war präsent – verlässlich, ansprechbar, respektvoll. Für viele Frauen war sie nicht „die Polizei“, sondern eine konkrete Person: jemand, der zuhört, schützt, vermittelt und bleibt. Auch dann, wenn die offizielle Dienstzeit längst vorbei war.

Besonders hervorzuheben ist ihr konsequenter Einsatz gegen Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse. Sie hat Frauen unterstützt, sich aus Loverboy-Strukturen zu lösen, Vertrauen in staatliche Hilfe zurückzugewinnen und selbstbestimmte Wege zu gehen. Eine von ihnen war unsere Kollegin Nicole, die sich ihr in einer akuten Notlage anvertraute und durch ihre Unterstützung einen Ausstieg aus einer gewaltvollen Beziehung schaffen konnte.

Nicole Metzinger verstand Prostitution nicht durch die Brille von Moral oder Verboten, sondern aus einer realistischen, rechtsstaatlichen und menschenzugewandten Perspektive. Auf Fachveranstaltungen, Tagungen und in der Lehre sprach sie differenziert über Polizeirecht und Prostitution, immer mit dem Ziel, Schaden zu minimieren, Rechte zu stärken und Vertrauen aufzubauen. Sie stellte sich klar gegen pauschale Verbotsforderungen und Verdrängungspolitik – weil sie die Folgen für die betroffenen Frauen kannte.

Sie verkörperte eine Haltung, die selten geworden ist: Polizei als tatsächliche Freundin und Helferin für marginalisierte Gruppen. Nicht als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis.

Mit Nicole Metzinger verlieren wir eine Verbündete, eine Brückenbauerin zwischen Institutionen und Lebensrealitäten, und vor allem einen außergewöhnlich engagierten Menschen. Ihr Wirken bleibt – in den Geschichten der Frauen, denen sie geholfen hat, in den Strukturen, die sie mitgestaltet hat, und in unserem Anspruch, ihre Haltung weiterzutragen.

Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und allen, die ihr nahe standen.