SLAPP

BesD verurteilt die SLAPP-Kampagne gegen Sexarbeits-Aktivist*in

Sexarbeiter*innen sind wichtige Expert*innen, die mit ihrem praxisfundierten Fachwissen den öffentlichen Diskurs bereichern. Wir halten Vorträge, führen Workshops durch, informieren und klären u. a. über unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen auf.

 

Als Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e. V. setzen wir uns dafür ein, die Arbeits- und Lebensbedingungen von allen Sexarbeiter*innen zu verbessern, ihre Rechte zu stärken und über die unterschiedlichen Aspekte von Sexarbeit zu informieren und aufzuklären. Dazu gehört auch, über Sexarbeitsgegner*innen zu sprechen und deren Argumentationen zu reflektieren. Dadurch werden Sexarbeiter*innen, die sich in der Öffentlichkeit äußern, allerdings auch angreifbar.

 

Derzeit läuft eine SLAPP-Kampagne gegen ein Mitglied der Sexworker-Community, das auf einer Fachtagung den Verschwörungsmythos der “Prostitutionslobby” kritisiert hat. Mit diesem Verschwörungsmythos werden Aktivist*innen im Bereich der Sexarbeit oft konfrontiert (hier ein Beispiel). Aus diesem Grund wurde das Mitglied unserer Community von der Zeitschrift „EMMA“, dem Verein „SISTERS e. V.“ und der GbR „Netzwerk Ella“ abgemahnt und aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschreiben. 

 

„SLAPP” steht für „Strategic Lawsuits against Public Participation”, auf Deutsch: „Strategische Prozessführung gegen Beteiligung der Öffentlichkeit”. Solche Klagen zielen darauf ab, die öffentliche Beteiligung einer Person durch Einschüchterung zu verhindern. 

 

Wie das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeit (bufaS e. V.) in seiner Stellungnahme und die Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung unterstützen auch wir als Berufsverband das gesellschaftspolitische Engagement aller Sexarbeiter*innen, insbesondere wenn es die strukturelle und argumentative Sexarbeitsfeindlichkeit und Diskriminierung von Sexarbeiter*innen aufdeckt. Deshalb begrüßen wir die Bemühungen auf EU- und Bundesebene, SLAPP-Kampagnen zu unterbinden und Medienfreiheit sowie Meinungspluralismus zu stärken.

 

Als Europas größter Berufsverband von Sexarbeitenden fordern wir eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sexarbeit, die den Stimmen der ohnehin schon marginalisierten Sexarbeiter*innen Raum gewährt. Sie zum Schweigen zu bringen, ist inakzeptabel und verletzt unsere Menschenrechte.